Teilschulnetzplanung – Berufsschulen vor dem Umbruch

FORTSCHREIBUNG DER TEILSCHULNETZPLANUNG IST FÜR DAS HANDWERK IN DER REGION LEIPZIG VON GROSSER BEDEUTUNG.

Die Fortschreibung der Teilschulnetzplanung für berufsbildende Schulen (TSNP BbS) gehört derzeit zu den wichtigsten bildungspolitischen Vorhaben in Sachsen. Was zunächst wie eine schulorganisatorische Anpassung erscheint, hat für das Leipziger Handwerk weitreichende Folgen.

ERREICHBARKEIT UND ZUMUTBARKEIT ALS ZENTRALES BEWERTUNGSKRITERIUM

Grundsätzlich unterstützt die Handwerkskammer zu Leipzig die Zielsetzung des Freistaates, berufsschulische Angebote langfristig zu sichern, Fachklassen zu stabilisieren, Doppel-strukturen abzubauen und spezialisierte Kompetenzzentren zu stärken. Gleichzeitig mahnt Handwerkskammerpräsident Matthias Forßbohm: »Bei den geplanten Veränderungen dürfen nicht allein schulorganisatorische Kennzahlen betrachtet werden.

Schulstandorte sind nicht nur Lernorte, sondern Teil komplexer Ausbildungsnetzwerke aus Betrieben, Berufsschulen, überbetrieblicher Lehrunterweisung, Prüfungsausschüssen und regionalen Wirtschafts-strukturen. Deshalb müssen Erreichbarkeit, Fachkräftesicherung und die Auswirkungen auf die Ausbildungsbetriebe gleichrangig berücksichtigt werden.« Besonders kritisch sieht die Handwerkskammer die mit »C« gekennzeichneten Verän-derungen des Arbeitsentwurfs. Allein im Kammerbezirk Leipzig wären mindestens 116 Auszubildende betroffen. Ihre Beschulung soll künftig in andere Kammerbezirke verlagert werden.

METALLBAUER: EIN FUNKTIONIERENDER STANDORT GERÄT UNTER DRUCK

Besonders kontrovers wird die geplante Verlagerung der Metallbauerausbildung vom Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Böhlen nach Glauchau diskutiert. Nach Angaben der Handwerkskammer lernen in Böhlen derzeit 46 Metallbauer, während der vorgesehene Zielstandort Glauchau im aktuellen Schuljahr lediglich auf 32 Auszubildende kommt. Aus Sicht der Metallinnungen und der Kreishandwerkerschaft ist daher schwer nachvollziehbar, warum ein funktionierender Standort zugunsten eines kleineren Standortes aufgegeben werden soll.

FLEISCHER: GEFAHR FÜR EIN BEWÄHRTES AUSBILDUNGSNETZWERK

Noch gravierender bewertet die Handwerkskammer die geplante Verlagerung der Fleischerausbildung vom BSZ Delitzsch an das BSZ Lichtenstein. Rund 69 Auszubildende aus dem Kammerbezirk Leipzig wären davon betroffen. Im Fleischerhandwerk existiert im Bildungs- und Technologiezentrum in Borsdorf ein überregional anerkanntes Zentrum der überbetrieblichen Ausbildung. Andere Bundesländer entsenden ihre Auszubildenden dorthin. Bislang arbeiten Berufsschule, überbetriebliche Lehrunterweisung und Betriebe eng zu-sammen. Diese gewachsenen Strukturen könnten durch die räumliche Trennung künftig erheblich erschwert werden.

Auch das Prüfungswesen wäre betroffen. Lehrkräfte des BSZ Delitzsch sind seit Jahren in die Gesellenprüfungen eingebunden und verfügen über umfangreiche Erfahrungen sowie enge Kontakte zu den regionalen Betrieben. Geht diese Verbindung verloren, müssten neue Strukturen aufgebaut werden. Die Handwerkskammer warnt deshalb vor einer Schwächung des gesamten Ausbildungs- und Kompetenzstandortes Leipzig im Fleischerhandwerk.

TISCHLER: DISKUSSION UM EINEN LEISTUNGSFÄHIGEN STANDORT

Für das Tischlerhandwerk sieht der Entwurf vor, die Ausbildung vom BSZ Schkeuditz an das BSZ Nordsachsen in Torgau zu verlagern. Anders als bei manchen Berufen mit rückläufigen Zahlen handelt es sich in Schkeuditz jedoch um einen stabilen und stark nachgefragten Standort. Aktuell werden dort 113 Auszubildende beschult. Nach Einschätzung der Tischler-innung Landkreis Leipzig befindet sich der Großteil (80 Prozent) der Ausbildungsbetriebe      im Ballungsraum Leipzig sowie im westlichen und südlichen Umland. Eine Verlagerung
nach Torgau würde die Ausbildung räumlich von den Betrieben entfernen, viele Auszu-bildende hätten deutlich über zwei Stunden Fahrtzeit je Richtung.

Auch die erforderlichen Internatskapazitäten stehen in Torgau aktuell noch nicht zur Verfügung. Hinzu kommt, dass in Schkeuditz erhebliche Investitionen in moderne Werkstätten, CNC- und Holztechnik erfolgt sind. Gemeinsam mit den Lehrkräften, den Innungen und den Prüfungsausschüssen hat sich dort ein regionales Kompetenzzentrum entwickelt. Die Befürchtung der Handwerkskammer ist, dass ein funktionierender Standort geschwächt wird, um weiter zu zentralisieren.

ZWISCHEN KONZENTRATION UND FACHKRÄFTESICHERUNG

Die Diskussion um die Teilschulnetzplanung zeigt, wie schwierig die Balance zwischen Effizienz und regionaler Versorgung geworden ist. Das Kultusministerium verfolgt das berechtigte Ziel, langfristig beschulbare Fachklassen zu sichern und Standorte planungs-sicher zu machen. Die Handwerkskammer zu Leipzig fordert jedoch, die Auswirkungen auf Ausbildungsbetriebe, Auszubildende, überbetriebliche Ausbildung und Prüfungswesen stärker zu berücksichtigen. Die Handwerkskammer trägt weitere Daten und Fakten zusammen und setzt sich für die Leipziger Standorte ein. Im Berufsbildungsausschuss, in Gesprächen mit den Innungen, Schulträgern und Beruflichen Schulzentren werden derzeit Lösungen entwickelt, die sowohl schulorganisatorisch tragfähig als auch wirtschaftlich   sinnvoll sind. Betroffene Betriebe können sich jederzeit in die Diskussion einbringen.

Quelle: DHB 09.2026 hwk-leipzig.de

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